5.2
Winter und Sohn GmbH
Das
Winter-Modell postuliert eine Umweltorientierung auf allen Ebenen des
Unternehmens. Neben der Ausgestaltung umweltschutzorientierter Unternehmensstrategien
mit Hilfe des Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewußtes Management
(B.A.U.M.) und finanzieller Förderung von Umweltschutzgruppen gibt es
regelmäßige Gesprächskreise mit Bürgerinitiativen (vgl. Winter 1987).
Die Palette der Maßnahmen setzt
bei den Beschäftigten des Unternehmens an, da umweltorientierte Mitarbeiterschulungen
und Bildungsausflüge angeboten werden. Kontakte nach außen erfolgen
durch die Kooperation mit Bürgerinitiativen sowie finanzieller Förderung
von Umweltschutzverbänden.
All diese Maßnahmen werden im Unternehmen
Ernst Winter und Sohn GmbH in Hamburg durchgeführt. Dort sind ca. 1600
Mitarbeiter im Bereich der Herstellung und des Verkaufs von Diamant-Werkzeugen
tätig. Das Unternehmen zählt daher nicht zu den typischen Herstellern
der Umwelttechnik oder Konsumgüterindustrie. Daher spielt das Umweltschutzimage
hinsichtlich der Kaufentscheidung eine untergeordnete Rolle, wie Georg
Winter betont, der von Steger (1988) zitiert wird.
"Motiv
für die Umweltaktivitäten des Hauses Winter ist in erster Linie
das Bewußtsein, daß die Unternehmen als starke Beansprucher der
natürlichen Ressourcen auch eine gestiegene Verantwortung für deren
Erhaltung tragen" (ebd., S. 316).
Der
Umweltbeauftragte des Unternehmens arbeitet eng mit dem Betriebsrat
zusammen. Zudem wurde ein Umweltausschuß aus verschiedenen Unternehmensbereichen
gebildet, der Umweltaktionspläne ausarbeitet.
Folgende Maßnahmen werden im Unternehmen durchgeführt:
- Im Bereich der
Entsorgung werden Preßcontainer statt Hausmüllcontainer verwendet.
- Der Energieverbrauch
des Unternehmens wird von einem Energiebeauftragten überwacht, der
Konzepte zur Energieeinsparung entwickelt hat, wodurch Kosten, etwa
durch den Wärmeschutz an Gebäuden und die Wärmenutzung eingespart
werden.
- Der umweltgerechte
Fuhrpark sorgt für eine weitere Energieeinsparung (vgl. Gege 1991,
S. 78ff.).
- Eine umweltorientierte
Standortentscheidung beim Firmensitz ist ebenso vorgenommen worden
wie die Errichtung der Gebäude nach baubiologischen Kriterien
(vgl. Steger 1988, S. 316ff).
Bei
der Bewertung des "Winter-Modells" hebt Famula (1988) die
ethisch-normative Prägung des Ansatzes hervor, indem er die Einbeziehung
sozialer und ökologischer Ziele betont:
"Entgegen
der modernen Gewohnheit von Wirtschaftswissenschaftlern, sogenannte
ökonomische Sachgesetzlichkeiten unabhängig von sozialen oder ökologischen
Zielen zu bestimmen oder z.B. wirtschaftliches Verhalten als mit
beliebigen Zielen (Gewinn, Plan, Humanisierung) vereinbar zu behaupten,
wird hier vom Umweltschutz als existentieller Voraussetzung und
Bedingung aller betrieblichen Produktion her gedacht" (ebd.,
S. 56).
Auch
im Winter-Modell wird das ökonomische Argument der Kosten-Nutzen-Relation
bei den Umweltschutzmaßnahmen in Betracht gezogen, dennoch ist es nicht
das einzige Argument bei ökologisch relevanten Entscheidungen. Famula
betont weiterhin den umfassenden Charakter des Modells, da sämtliche
ökologischen Problembereiche des Unternehmens in die Umweltkonzeption
einbezogen werden. Schließlich wird dieser Ansatz als undogmatisch-pragmatisch
bezeichnet. Famula (1988) hält die von den Diskursethikern vorgeschlagene
Modellvorstellung eines "herschaftsfreien Dialogs" in der
Praxis für nicht durchführbar, betont jedoch die Konsensmöglichkeiten
unterschiedlicher Parteien bei dem im folgenden dargestellten Beispiel:
"G.
Winter u.a. verfallen nicht dem naiven Wunschdenken einer Auflösung
dieser Gegensätze zu einer Art herrschaftsfreien Dialog, sondern
stellen mit aller Behutsamkeit fest: Wo es etwa um die Verhinderung
eines Kohlekraftwerkes mit einer veralterten Rauchgasentschwefelungsanlage
geht, ist der Gegensatz zwischen Bürgerinitiativen und Industrieunternehmen
kein zwingender" (ebd, S. 55ff.).