4.
"Ökologische" Unternehmenskommunikation
Die
Glaubwürdigkeit der Unternehmen gegenüber der Öffentlichkeit hat aufgrund
zahlreicher Umweltskandale erheblich gelitten. Daher kommt insbesondere
der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen die Aufgabe zu, verlorenes
Vertrauen wiederherzustellen und bereits vorhandenes zu erhalten. Im
folgenden werden die unterschiedlichen Bereiche der Unternehmenskommunikation
voneinander abgegrenzt, um eine grundlegende Unterscheidung zwischen
den Bestandteilen und Aufgaben der Unternehmenskommunikation zu ermöglichen.
Den zentralen Teil dieses Kapitels wird die Öffentlichkeitsarbeit einnehmen,
wobei die ethischen Fragen ebenso im Mittelpunkt stehen wie der öffentliche
"Wertewandel" im Bereich des Umweltschutzes. Abschließend
werden einige Dialogmodelle vorgestellt, die ein Mitspracherecht der
Öffentlichkeit an den für sie relevanten Unternehmensentscheidungen
ermöglichen.
Insgesamt läßt sich die Unternehmenskommunikation
in drei klassische Bestandteile aufteilen:
1. Das Marketing,
2. die Werbung und
3.die Öffentlichkeitsarbeit.
Das Marketing wird als Oberbegriff für die Teilbereiche bezeichnet,
die auf die Verbesserung der Absatzmöglichkeiten von Unternehmen abzielen.
Das Marketing stellt keine Ressourtätigkeit, wie die Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit
für den absatzorientierten Funktionsbereich dar. , Die Koordination
des Konzepts einer marktgerechten Unternehmensorientierung erfolgt durch
die vier Komponenten des "Marketingmix".
Der "Kommunikationspolitik",
die auch PR-Maßnahmen einschließt, kommt die Aufgabe zu, die unternehmensrelevanten
Nachrichten an die Öffentlichkeit zu übermitteln.
Neben der Verkaufsförderung gehören
zur Kommunikationspolitik die Werbung und die Öffentlichkeitsarbeit,
wobei der Öffentlichkeitsarbeit im Gegensatz zur Werbung, die den Absatz
des betrieblichen Leistungsangebotes am Markt koordiniert, keine direkte
Verkaufsfunktion zukommt.
Zur Zielgruppe der Öffentlichkeitsarbeit
gehört in erster Linie nicht der direkte Absatzmarkt des Unternehmens,
sondern primär die interne und externe Öffentlichkeit. Die Funktion
der Öffentlichkeitsarbeit umfaßt sämtliche Bereiche des Unternehmens,
während das Marketing sich allein auf die absatzorientierten Bereiche
konzentriert.
Balfanz (1983) geht jedoch davon
aus, daß die Öffentlichkeitsarbeit insbesondere im Bereich der erwerbswirtschaftlichen
Betriebe als ein "kommunikationspolitisches Instrument" (ebd.,
S. 4) des Marketing anzusiedeln ist.
Das vordringliche Ziel der Werbung
besteht darin, die Käufer direkt dazu aufzufordern, die Güter oder Dienstleistungen
in Anspruch zu nehmen, um dem Unternehmen höhere Marktanteile zu sichern.
Während die Werbung ausschließlich
an der Konsumorientierung des potentiellen Käufers interessiert ist,
berücksichtigt die Öffentlichkeitsarbeit das politische Interesse der
Öffentlichkeit.
Die "öffentliche Meinung"
ist demzufolge der zentrale Faktor der Öffentlichkeitsarbeit, ohne die
Akzeptanz der Öffentlichkeit kann kein Unternehmen langfristig erfolgreich
arbeiten.
Die Darstellung der Produkte und
Dienstleistungen in der Werbung erhält oftmals eine negative Bewertung;
ihr wird Manipulation und Einseitigkeit vorgeworfen.
Ein kommunikativer Austausch zwischen
den Werbenden und Umworbenen findet in der Regel nicht statt, während
die Öffentlichkeitsarbeit im Gegensatz dazu den Dialog mit allen relevanten
internen und externen Gruppen sucht.
Durch den Dialog können gesellschaftliche
Trends und Bedürfnisse frühzeitig in die Entscheidungsgremien der Unternehmen
einbezogen werden.
Die Öffentlichkeitsarbeit informiert
Joerger (1975) zufolge in der Regel objektiver als die Werbung und sollte
auch "Fehler und Nachteile" des Unternehmens an die Öffentlichkeit
herantragen.
Die Gemeinsamkeiten zwischen Werbung
und Öffentlichkeitsarbeit bestehen primär darin, daß beide als Faktor
der Unternehmenskommunikation die gleichen Funk- und Printmedien nutzen,
sowie ihre Tätigkeit zur geplanten und bewußten Einflußnahme der Öffentlichkeit
nutzen (vgl. Balfanz 1983, S. 2).