4.7 Risikokommunikation

"Es mögen Fische Sterben oder Menschen, das Baden in Seen mag Krankheiten erzeugen, es mag kein Öl mehr aus den Pumpen kommen und die Durchschnittstemperaturen mögen sinken oder steigen; solange darüber nicht diskutiert wird, hat  dies keine gesellschaftlichen Auswirkungen" (Niklas Luhmann 1988, S. 63)

Risikokommunikation wird als eine Form der öffentlichen Kommunikation definiert, die Beeinträchtigungen des individuellen und gesellschaftlichen Lebens thematisiert. Dazu gehören neben gesundheitlichen Risiken auch Faktoren der Lebensqualität (vgl. Schanne 1996). 
      Faktisch existiert kein reales "objektives" Risiko, das mit den Sinnesorganen wahrgenommen werden kann wie Dinge, Situationen oder Aktivitäten. Die Risikosensibilität ist abhängig von Wahrnehmungs-, Lern-, Denk- und Vermittlungsprozessen. Zu Risiken werden Indizien erst dann, wenn sie öffentlich wahrgenommen und diskutiert werden. Risiken sind daher keine objektiven Tatsachen, sondern unterliegen Beurteilungs- und Aufmerksamkeitskriterien (vgl. Thielemann 1989). Auch Risikodefinitionen sind keine festen vorgegebene Größen, sondern ausgehandelte kulturelle Tatbestände. Was als Unsicherheit, Gefahr oder Schaden gilt, hängt von selektiven Wahrnehmungen und Sensibilitäten ab und kann erst durch Aufklärung und ggf. Protest ermittelt werden.
      An diesem Punkt setzt die Risikokommunikation an. Wie Gesellschaften mit Risiken umgehen, ist selten eine Funktion der physikalisch gegebenen Gefahrenlage, sondern spiegelt sich in der Kommunikation geschaffener Bedeutungsmuster der jeweiligen Situation wieder (vgl. Renn 1991). Insofern stellt Risiko ein "Konstrukt" dar (vgl. Bayrische Rück (Hg.) 1993). Die Risikowahrnehmung erfolgt selektiv über verschiedene Medienkanäle, die die Einschätzungen über Risiken transportieren.

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