4.7.4
Hindernisse
Die
skizzierten Ansprüche, Ziele und Aufgaben der Risikokommunikation lassen
sich in der Praxis durch eine Reihe unterschiedlicher Voraussetzungen
oftmals kaum verwirklichen, da sich im Rahmen der Risikokommunikation
Akteure mit differenzierten Interessen, Zielen und Perspektiven gegenüberstehen.
Oftmals sind Risikodialoge geprägt durch gegenseitiges Mißtrauen und
wechselseitige Voreingenommenheit sowie Vorurteilen, worunter die Glaubwürdigkeit
und Akzeptanz auf beiden Seiten leiden kann.
Ein weiteres Problem stellt der
unterschiedliche Wissensstand der am Dialog beteiligten Akteure und
das Vermittlungsproblem dar. Es gelingt häufig nicht, Sachverhalte für
beide Seiten verständlich zu artikulieren.
Auf der Ebene der Risikoargumentation
lassen sich zahlreiche strategische Merkmale einer Scheinargumentation
feststellen, die hier nur stichwortartig erwähnt werden können. Dazu
gehört die Polarisierung, die Berufung auf falsche Autoritäten, die
Schönfärberei durch Begriffe (z.B. Euphemismen wie Entsorgungpark) u.v.m..
Es wäre naiv anzunehmen, daß sich die Akteure der Risikokommunikation
primär an den benannten normativen Kriterien orientieren würden. Sowohl
Wirtschaftsunternehmen als auch die Medien - zumindest im kommerziellen
Sektor - unterliegen strukturellen Interessen in Form postulierter Gewinnmaximierung.
Dennoch besitzen sie neben dem legitimen Anspruch der ökonomischen Erfolgsorientierung
auch eine soziale Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit. Sofern
diese Verantwortung nicht wahrgenommen wird, sinkt die Akzeptanz, die
sich auf den ökonomischen Erfolg auswirken kann. Insofern sind sowohl
die Journalisten als auch die PR-Experten der Unternehmen im eigenen
Interesse gut beraten, wenn sie auf den Produktionsfaktor Glaubwürdigkeit
setzten, aus der sich die Legitimation wirtschaftlichen und journalistischen
Handelns ableiten läßt. Eine einmal verlorene Glaubwürdigkeit läßt sich
nur schwer wiedergewinnen. Die bisherigen Erfahrungen der Skandale im
Rahmen der journalistischen Berichterstattung und immer wieder auftretende
Beschwichtigung- und Vertuschungsstrategien der Industrie hinterlassen
hingegen Zweifel, ob eine transparente, partizipatorische und wahrheitsoriertierte
Risikokommunikation in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.