4.5
Ethische Aspekte
Durch
den sich vollziehenden Wertewandel im Bereich des Umweltschutzes stellt
sich auch für die Öffentlichkeitsarbeit die Frage, inwiefern ethische
Kriterien in die Unternehmenskommunikation einbezogen werden müssen.
Zudem ist zu beantworten, wodurch die Öffentlichkeitsarbeit an Entscheidungsprozessen
des Unternehmens, etwa in ökologischer Hinsicht, mitwirken kann, zum
anderen sind ethische Aspekte bezüglich einer ethisch-verantwortlichen
Unternehmensdarstellung gegenüber der Öffentlichkeit von Bedeutung.
In der Praxis beschäftigen sich
wissenschaftliche Arbeitskreise der Deutschen Public-Relations-Gesellschaft
(DPRG) mit ethischen Fragen der Öffentlichkeitsarbeit. Daran wird deutlich,
daß die Unternehmen aufgrund des sich vollziehenden Wertewandels nun
nicht mehr nur nach ihrer technischen Kompetenz und ökonomischen Stärke
beurteilt werden, sondern auch aufgrund moralischer Kategorien, die
durch ökologische Maßnahmen auf allen Unternehmensebenen durchgeführt
werden. Daher wird in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit
der Öffentlichkeitsarbeit gefordert, daß der Forschungsgegenstand über
den normativen Konsens stärkere Berücksichtigung finden soll, um sich
dem Ziel der Verständigung und Übereinstimmung zwischen divergierenden
gesellschaftlichen Gruppen weiter anzunähern (vgl. Kleindiek 1987, S.
35ff.).
Ob nun die "Ethik als Rettung"
(vgl. Reineke 1988, S. 32) dient oder "großgeschrieben" wird
(vgl. Flieger 1984, S. 54), sie ist zu einem wichtigen Bestandteil der
Öffentlichkeitsarbeit geworden.
Eine ethisch ausgerichtete Öffentlichkeitsarbeit
kann demnach anhand folgender Merkmale skizziert werden:
- Die vom Unternehmen
in Anspruch genommenen Normen und Werte müssen hinsichtlich der gesellschaftlich
konsensfähigen Normen angeglichen werden.
- Die Einbeziehung
externer Effekte, etwa in Form sozialer und ökologischer Kosten, sollte
langfristig in die Unternehmensplanung und -kommunikation berücksichtigt
werden.
- Die unternehmerischen
Strategien sind den Bezugsgruppen gegenüber begründungsbedürftig.
- Grundsätzlich
sollte eine Offenheit für die legitimen Ansprüche Dritter gewährleistet
werden (vgl. Dierkes/Zimmermann 1991, S. 41).
Trotzdem
muß die Öffentlichkeitsarbeit sich an den vorhandenen Meinungen und
Einstellungen der Öffentlichkeit orientieren und ihre sozialen und kulturellen
Normen berücksichtigen (vgl. Ronneberger 1977, S. 193).
Flieger
(1984) bezeichnet diese Aufgabe als "moralischen Charakter"
und postuliert die "Notwendigkeit der ausdrücklichen Festschreibung
ethischer Normen der PR" (ebd., S. 27ff.).
Die
"Codes d'Athene" wurden bereits 1966 als ethische Richtlinien
von der Deutschen Public Relations Gesellschaft übernommen. Neben der
allgemeinen Anerkennung der Menschenrechte verlangen die Richtlinien,
daß die Vertreter der Öffentlichkeitsarbeit sich der Wahrheit zu verpflichten,
um Vertrauen zu erzeugen.
Auch
Szyszka (1991) fordert eine kommunikative Ethik, die die Werthaltungen
des Unternehmens darlegt und zugleich die Haltungen der Öffentlichkeit
aufnimmt. Es reicht nicht mehr aus, über die Firmenaktivitäten zu informieren,
um dadurch Vertrauen in der Öffentlichkeit zu erreichen.