3.
Grundlagen einer ökologischen Unternehmensethik
Die
Berücksichtigung des Umweltschutzes hat in den letzten beiden Jahrzehnten
eine zunehmende Bedeutung in der Öffentlichkeit erhalten. Während sich
die Bevölkerung in den 50er und 60er Jahren vorwiegend an den Werten
"Technischer Fortschritt" und "Allgemeiner Wohlstand"
(vgl. Droste 1989, S. 97) orientierte und Unternehmen in erster Linie
als rein ökonomische Institutionen verstanden wurden, die Güter und
Dienstleistungen bereitstellte und für die Schaffung von Einkommen sorgte.
Diese Auffassung hat sich zu Beginn
der 70er Jahre verändert, da insbesondere die unerwünschten Nebenfolgen
unternehmerischen Handelns ins Bewußtsein rückten.
Die steigende Zahl der Skandale
im Bereich der Umweltverschmutzung durch die Industrie haben dazu geführt,
daß Unternehmen einem zunehmenden Legitimationsdruck durch die Öffentlichkeit
ausgesetzt sind. Von ihnen wird eine soziale Verantwortung gefordert,
bei der die freiwillige Koordination der Unternehmenspolitik mit gesellschaftlichen
Wertvorstellungen gefordert wird. Die "öffentliche Exponiertheit"
(vgl. Dyllik 1989, S. 15) der Unternehmen führt dazu, daß eine "ökologisch-ethische
Verantwortung" (Günther/Winter 1986, S. 51) erwartet wird.
Unternehmen werden nicht nur als
Wirtschaftsgebilde, sondern auch als soziale Institutionen angesehen.
So wurde den Unternehmen vorgeworfen, lediglich die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit ins Visier zu nehmen und die sozialen und ökologischen
Kosten ihres Handelns zu vernachlässigen.
Die Überwindung der Umweltkrise
kann nicht nur durch technische und ökonomische Maßnahmen gelöst werden,
da sie "zu allererst ein wertethisch-normatives" Problem darstellt
(vgl. Hillmann 1981, S. 126).
Daher ist es nicht erstaunlich,
daß Führungskräfte der Unternehmen "auf ihrer Suche nach Ethik"
(Hauser/Schwarzbauer 1987, S. 284) und dem "ruhigen Gewissen"
(Wittenzellner 1988, S. 52) einen neuen Orientierungsrahmen für die
Legitimation ihres wirtschaftlichen Handelns suchen.
Die Ethik liefert eine notwendige,
jedoch nicht hinreichende Bedingung zur Lösung der ökologischen Krise,
obwohl Pfriem sogar davon ausgeht, daß der Konflikt zwischen Ökonomie
und Ökologie sich, wenn überhaupt, nur wirtschaftsethisch lösen läßt.
Mit Hilfe der Ethik lassen sich Probleme verdeutlichen und können daraufhin
durch konkrete technische und gesetzliche Maßnahmen gelöst oder zumindest
gemindert werden.
Aufgrund der Durchsetzung einer
ökologischen Unternehmensethik kann erreicht werden, daß Unternehmen
über das bloß ökonomisch-zweckrationale Handeln hinaus versuchen, nach
begründeten Werten zu handeln, die nicht allein aus einer unternehmerischen
Einzelentscheidung abgeleitet werden, sondern über Verständigung mit
den Betroffenen gewonnen werden sollen.
Darüber hinaus ist es erforderlich,
die unerwünschten ökologischen Nebenfolgen mit in die Betrachtung einzubeziehen,
um zu einer angemessenen ethischen Bewertung zu gelangen.
Die Mitbestimmung der ökologisch
Betroffenen kann vor allem dadurch erreicht werden, daß Vertreter von
Naturschutzverbänden in die unternehmerische Mitbestimmung einbezogen
werden. Pfriem definiert die ökologische Unternehmensethik wie folgt:
Als ökologische Unternehmensethik
kann die ethisch geleitete Aufdeckung und Wahrnehmung unternehmenspolitischer
Entscheidungs- und Handlungsspielräume in ökologischer Absicht bezeichnet
werden, wobei
a) ökologische Erwägungen möglichst früh und systematisch in alle
Unternehmensentscheidungen eingehen und
b) im Sinne einer offenen Unternehmungsverfassung institutionell
und prozessual möglichst früh und systematisch alle von diesen Entscheidungen
Betroffenen öffentlich nachvollziehbar einbezogen werden sollten.
Dabei sollen vom Unternehmen nicht nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
eingehalten werden. Pfriem (1986) fordert die Unternehmen dazu auf,
weitergehende Innovationen mit Hilfe der Öffentlichkeitsarbeit zu initiieren,
um eigene Handlungsspielräume in ökologischer Hinsicht zu eröffnen.
Konkrete Handlungsfelder einer ökologischen Unternehmensethik sieht
Pfriem in der
- Integration
ökologischer Problemfelder in unternehmerische Informationssysteme,
- Integration
ökologischer Gestaltungselemente in die Phasen des Produktionszyklus,
- Schaffung innerbetrieblicher
Regulierungsweisen, um ökologische Probleme und Merkmale zu integrieren
[...] (vgl. Pfriem (Hg.) 1986, S. 254).
Ein
erster Schritt zur Durchführung ökologisch-ethischer Maßnahmen erfolgt
durch Erklärungen der Unternehmen, die sich zu einer "umweltorientierten
Unternehmenspolitik" bekennen. Die "Tutzinger Erklärung",
die unter anderem von Unternehmern, Managern, Wissenschaftlern und Vertretern
von Umweltschutzorganisationen verabschiedet wurde und "Zehn Gebote
für den Umweltschutz" entworfen hat, ist nur ein Beispiel für die
ökologische Orientierung der Unternehmen (vgl. Brunowsky/Kleinert 1988,
S. 70ff.). Weitere Kodizes, die die Unternehmen zur ökologischen Selbstverpflichtung
aufrufen, sind von Umweltschutzverbänden wie dem Bundesdeutschen Arbeitskreis
für umweltbewußtes Management (B.A.U.M.) erstellt worden, dessen ökologische
Maßnahmen an anderer Stelle thematisiert werden (vgl. Winter 1993, S.
40).