3.1
Ökologie versus Ökonomie
Ökologie
Ursprünglich
wurde unter der Ökologie ausschließlich ein Teilgebiet der Biologie,
die Lehre von den Wechselbeziehungen (Vernetzungen) zwischen belebter
und unbelebter Umwelt verstanden.
Erforscht werden hier die Umweltbedingungen
für Temperatur, Licht, Wasser, Boden, Nahrungsketten und vieles mehr.
Der Terminus "Ökologie"
wurde 1866 durch den Zoologen und Philosophen Ernst Haeckel geprägt.
Er bezeichnete die Ökologie als die Lehre von den Wechselwirkungen mit
der sie umgebenden organischen und anorganischen Natur, als die "Haushaltslehre
der Natur" (vgl. Birnbacher 1988, S. 393). Haeckel sah die Ökologie
als Teildisziplin der Biologie, in der die biologische Existenz und
die komplexen Zusammenhänge zwischen den Organismen und deren natürlicher
Umwelt untersucht werden. Zentrale Begriffe der Ökologie als Wissenschaft
zur Beschreibung realer Phänomene sind das Ökosystem als die Gesamtheit
einer Lebensgemeinschaft in Wechselwirkung mit ihrer Umwelt und die
ökologische Umwelt, die die Gesamtheit der natürlichen Lebensgrundlagen
des Menschen umfaßt.
Bei der angewandten Ökologie werden
die Faktoren untersucht, die eine konkrete und direkte Bedeutung für
den Menschen beinhalten; sie beschäftigt sich vor allem mit der Rolle
der Ressourcenerhaltung und der Umweltverschmutzung (vgl. Schaefer/Tischler
1983, S. 21).
In der aktuellen Diskussion des
Umweltschutzes, der Auseinandersetzung mit den schädlichen Auswirkungen
des technischen und ökonomischen Fortschritts auf die Lebensbereiche
des Menschen, zeigt sich die Bedeutung der Ökologie als Werthaltung.
In den Mittelpunkt der öffentlichen
Diskussion rückte der Ökologiebegriff erst Ende der 60er Jahre als Folge
einer generellen Bewußtseinsbildung hinsichtlich der Bevölkerungsexplosion,
der Ressourcenverknappung und der Umweltverschmutzung. Den Ökologen
kam nun die Aufgabe zu, vor den Gefahren der Umweltverschmutzung, die
auch von Industriebetrieben ausging, zu warnen (vgl. Strohm 1979, S.
14).
Inzwischen wird bei einigen Autoren
davon ausgegangen, daß die Ökologie sich zu einer "allumfassenden
Wissenschaft" entwickeln wird. Simonis (1990) fordert sogar, daß
die Ökologie als "Leitwissenschaft" (ebd., S. 10) zu betrachten
ist.
"Aber
die Ökologie hat sich nicht auf die Untersuchung der Wechselwirkungen
zwischen und innerhalb Fauna und Flora beschränkt. Das Interesse
konzentrierte sich in den letzten Jahren zunehmend auf die Rolle
des Menschen als abhängigen Teil der Ökosphäre und gleichermaßen
als Zerstörer der Ökosphäre" (Uhlig 1978, S. 26f.).
Für
diese Deutung spricht, daß der erweiterte Ökologiebegriff verstärkt
auf die Bereiche übertragen wird, die außerhalb der natürlichen Umwelt
liegen. So versucht beispielsweise die kommunikationsökologische Forschung
die Probleme zu verdeutlichen, die von den Mechanismen der sogenannten
Informationsgesellschaft ausgehen. Termini aus der Biologie, wie der
des "natürlichen Gleichgewichts", werden auf die Analyse zwischenmenschlicher
Kommunikation übertragen. So weist Mettler-Meibom (1987) darauf hin,
daß durch die Entwicklung der Informations- und Kommunikationsgesellschaft
die Gefahr besteht, die "Kommunikationsgleichgewichte" in
der Gesellschaft zu zerstören.
Konkrete Problemfelder sieht sie
unter anderem im Bereich des Datenschutzes, etwa durch den Einsatz des
digitalen Netzes (Integrated Digital Services Network, kurz: ISDN).
Sie postuliert daher eine Begrenzung der Technikanwendung (vgl. ebd.,
S. 8 f.).
Der Forschungsbereich der Medienökologie
beschäftigt sich mit den individuellen und gesellschaftlichen Auswirkungen
von Medienwirkungen und beabsichtigt, negative Tendenzen des Medienkonsums
festzustellen und zu beheben (Lüscher/Wehrspaun 1985, S. 188f.).
Die Vertreter der Sozialen Ökologie
heben den Zusammenhang zwischen sozialen und ökologischen Konflikten
hervor.
Weitere Forschungsgebiete beschäftigen
sich mit Humanökologie (vgl. Glaeser (Hg.) 1989) und Politischer Ökologie
(vgl. Strohm 1979). Die sozialwissenschaftliche Ausrichtung der "Humanökologie"
wird durch die "Politische Ökologie" repräsentiert, die die
gesellschaftliche Einbettung des Menschen in seinen ökonomisch und politisch
motivierten Handlungs- und Verhaltensweisen hervorhebt. Im Bereich des
Umweltschutzes beschäftigt sich die "Politische Ökologie"
vor allem mit den Ursachen ökologischer Probleme, die auf der wirtschaftlichen
und sozialen Ebene zu finden sind. Sie setzt bei der Lösung von Umweltproblemen
weniger auf technische Lösungen, sondern postuliert grundlegende Umdenkungsprozesse,
die dazu führen sollen, die Grenzen der ökologischen Belastbarkeit der
natürlichen Umwelt nicht zu überschreiten (vgl. Strohm 1979, S. 14).
Diese weitgehende Verwendungsweise
des politisch stark ideologisierten "Mythos" Ökologie wird
jedoch kritisiert. Trepl (1983) vertritt z.B. die Ansicht, daß die Ökologie
weder eine Leit- noch eine "Überwissenschaft" ist, sondern
ausschließlich einen Teilbereich der Biologie darstellt (vgl. ebd.,
S. 21). Er bestreitet, daß die Ökologie eine normative Prägung besitzt
und weist darauf hin, daß Normen ausschließlich aufgrund gesellschaftlicher
Verständigungsprozesse entstehen können, die nicht aus der Ökologie
selbst hervorgehen können.
Im Verständnis dieser Arbeit bezieht
sich der Terminus "Ökologie" ausschließlich auf das Verhältnis
des Menschen zur natürlichen Umwelt.
Ökologisches Denken zeichnet sich
Birnbacher (ebd., S. 394f.) zufolge dadurch aus, daß neben den angestrebten
Wirkungen auch die Nebenwirkungen des menschlichen Umgangs mit der Natur
untersucht werden. Die globale Dimension des ökologischen Handelns oder
Unterlassens darf ebensowenig aus den Augen gelassen werden wie langfristige
Wirkungsaspekte. Er erwähnt exemplarisch die Folgelasten technischer
Innovationen, die Risiken für zukünftige Generationen beinhalten können.
Darüber hinaus sind sie auch durch den rasch fortschreitenden Abbau
der natürlichen Ressourcen betroffen.
Konkrete ökologische Forderungen
bestehen in der Rohstoffschonung und Erhaltung der Natur. Die Sicherung
der Luft-, Wasser- und Bodenqualität wird ebenso verlangt wie die Lärmvermeidung
und eine kontrollierte Abfallbeseitigung (vgl. Meffert/Blankenstein/Schubert
1987, S. 33).
Ökonomie
Im allgemeinen wird die Ökonomie verstanden als rationale Gestaltung
der materiellen Verhältnisse der Gesellschaft. Ihr zweckgerichtetes
Handeln dient der Bedürfnisbefriedigung. Sie hat in erster Linie die
Aufgabe, die knappen Güter so zu beschaffen und zu nutzen, daß individuelle
und soziale Bedürfnisse erreicht werden können (vgl. Höffe 1986, S.
282).
Die Güter dienen als Mittel für
die menschliche Bedürfnisbefriedigung und werden als Sachgüter oder
Dienstleistungen angeboten.
Die Ökonomie orientiert sich am
Tatbestand der Güterknappheit. Über die knappen Güter wird nach dem
ökonomischen Prinzip disponiert, das eine günstige Verteilung zwischen
Aufwand und Ertrag vorsieht. Beim Minimierungsprinzip ist vorgesehen,
den angestrebten Erfolg mit einem Minimum an Aufwand (Mitteln) zu bewerkstelligen,
während das Maximierungsprinzip verlangt, mit den gegebenen Mitteln
einen maximalen Erfolg zu erreichen.
Das Prinzip der Wirtschaftlichkeit
besagt, daß die Handlungen der Akteure in der Wirtschaft durch das "Optimierungsgebot"
geleitet werden, demzufolge eine möglichst große Differenz zwischen
Nutzen bzw. Erträgen einerseits und den Kosten andererseits angestrebt
werden soll. Welche Güter aufgrund ihrer Knappheit unter das ökonomische
Prinzip fallen, hängt entscheidend von der aktuellen Marktsituation
ab.
Als Indikator für den Knappheitsgrad
von Gütern dient unter marktwirtschaftlichen Gegebenheiten der Preis
(vgl. Molitor 1989, S. 38).
Schließlich werden die Güter zu
Objekten wirtschaftlichen Handelns und unterliegen damit der Bewertung.
Die zu ihrer Herstellung benötigte Arbeit, Zeit und Ressourcen
werden durch den Preis bewertet.
Da die Produkte der natürlichen
Umwelt in der Regel nicht in der Form vorgefunden werden, in der sie
verarbeitet werden, müssen sie bis zum Konsum eine Reihe von Umformungsprozessen
durchlaufen. Die dabei vorgenommene Umwandlung und Verteilung von Gütern
wird als Produktion bezeichnet. Auf jeder Stufe der Erzeugung sind die
Faktoren Arbeit, Boden und Kapital beteiligt, wobei das Kapital eine
notwendige Bedingung für die "Konsumreife" darstellt, jedoch
nicht selbst in den Konsumbereich gelangt.
Im Verständnis dieser Arbeit stehen
die Wirtschaftsunternehmen der Marktwirtschaft stellvertretend
für die Ökonomie, die an der Herstellung von Gütern und Leistungen unter
dem Postulat der Gewinnmaximierung beteiligt sind. Ohne dieses Ziel
kann ein Unternehmen weder bestehen noch wachsen.
Grundlegend ist vor allem die Vorstellung
der Unternehmungen als gesellschaftsbezogene Institutionen, die aufgrund
ihrer "öffentlichen Exponiertheit" Verursacher
von "externen Effekten" sind, die sich beispielsweise durch
Umweltschäden bemerkbar machen. Ihr wirtschaftliches Handeln muß daher
gegenüber der Öffentlichkeit gerechtfertigt werden, wie Peter Ulrich
(1981) betont.
Primär werden vom Unternehmen die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen
gefordert, sowie die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen
zu einem angemessenen Preis (vgl. Melder 1990, S. 59). Entscheidend
ist jedoch die Aufgabe der langfristigen Gewinnmaximierung. Die Ziele
lassen sich in Leistungsziele, Erfolgsziele und Finanzziele
untergliedern (vgl. Schierenbeck 1989, S. 56).
Zielkonflikte
Dem Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie liegen als Spannungsfeld
zwei Basisprinzipien zugrunde. Während auf der einen Seite das ökologische
Prinzip der Stabilität als eine Lebensbedingung der Natur angesehen
wird, steht dem gegenüber das ökonomische Prinzip des Wachstums als
Interesse der Wirtschaft.
Allein im Produktionsprozeß erfüllt
die Umwelt zwei Aufgaben; zum einen liefert sie die natürlichen Ressourcen
für die Produktion, zum anderen nimmt sie die "negativen Kuppelprodukte"
in Form von Schadstoffen, Abfällen oder Produktionsrückständen auf (vgl.
Steger 1988, S. 39).
Die Probleme resultieren demzufolge
daraus, daß vom Unternehmen die natürliche Umwelt als Ressourcenlieferant
und Aufnahmemedium für Abfälle benötigt wird.
Ökologische Notwendigkeiten (z.B.
Rohstoffschonung, Sicherung der Böden, Erhaltung der Luft- und Wasserqualität)
und ökonomische Forderungen (z.B. Wettbewerbsfähigkeit, Rentabilität
und Produktivität) können sich gegenseitig ausschließen.
Einen Grund für diesen ins Unternehmen
verlagerten Konflikt sieht Simonis (1990) darin, daß die Kosten der
Umweltbelastung bislang weitgehend von der Allgemeinheit und nicht von
den Unternehmen getragen werden mußten.
Gemeinsamkeiten
Aus Sicht der Unternehmen gibt es dennoch "Schnittmengen"
(Halley 1990, S. 14) zwischen ökonomischen und ökologischen Zielen.
Halley nennt beispielsweise Kostensenkungen, die zum einen durch die
Einsparung von Rohstoffen und zum anderen durch die Verringerung des
Energieverbrauchs erreicht werden können. Eine geringere Schadstoffbelastung
von Boden, Luft und Wasser aufgrund eines verstärkten Einsatzes
umweltverträglicher Rohstoffe, Produkte und Fertigungsverfahren spart
weitere Kosten. Dadurch werden auch zu erwartende Umweltabgaben im Vorfeld
vermieden. Durch die Reduzierung der Abfallmengen sowie einer umweltfreundlichen
Produktentwicklung und Produktbeurteilung ergeben sich für die Unternehmen
weitere Einsparpotentiale.
Pfriem nennt zusätzliche betriebswirtschaftliche
Gründe für eine stärkere Umweltorientierung der Unternehmen.
Er weist ergänzend auf die Wettbewerbsvorteile
bei der staatlichen Auftragsvergabe hin und betont, daß sich die ökologischen
Ansprüche der Öffentlichkeit in Zukunft verstärken werden. Pfriem hält
aus Sicht der Unternehmen eine präventiv umweltfreundliche Produktionsumstellung
für angemessen, um den, ohnehin bevorstehenden gesetzlichen Vorschriften
zuvorzukommen. Durch umweltfreundliche Produkte und Technologien können
neue Märkte und Kundensegmente erschlossen werden, die neben der Schaffung
neuer Arbeitsplätze auch neue Tätigkeitsfelder im Umweltsektor hervorbringen
können.
Durch umweltfreundliches Verhalten
der Unternehmen wird in der Öffentlichkeit eine positive Resonanz
erzeugt, die sich auch in Kaufentscheidungen umweltfreundlicher Produkte
zeigen kann, wodurch wiederum die Wettbewerbsfähigkeit verbessert wird.
Darüber hinaus erzielen umweltfreundliche
Maßnahmen auch eine stärkere Akzeptanz bei den Beschäftigten des Unternehmens.