2.4 Der Brundtland-Report und das Abkommen von Rio

Im Jahr 1987 legte die "Weltkommisson für Umwelt und Entwicklung" den Brundtland- Report "Our Common Future" vor. Der Bericht trägt den Namen der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, die den Kommisionsvorsitz übernommen hatte.
      
Die Brundtland-Kommission nahm die aus der Forstwirtschaft stammende Idee der Nachhaltigkeit auf und versuchte sie auf den globalen Entwicklungszusammenhang hin zu übertragen. Die grundlegende Definition im entsprechenden Bericht lautet:

"Dauerhafte Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen dürfen" (Hauff (Hg.) 1987, S. 46).

Diese Formulierung blieb nicht ohne Kritik. Bemängelt wird u.a., daß hier weder zwischen den Bedürfnissen in der Ersten und Dritten Welt unterschieden wird, noch zwischen menschlichen Lebensnotwendigkeiten und dem Konsumverhalten, das im wesentlichen auf das Verbrauchsverhalten in der Ersten Welt ausgerichtet ist (vgl. Ekins 1994, S. 153).

Die strategischen Notwendigkeiten gemäß der Idee einer dauerhaften Entwicklungs- und Umweltpolitik faßt der Brundtland-Bericht wie folgt zusammen:

  • Belebung des Wachstums,
  • Veränderung der Wachstumsqualität,
  • Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Arbeit,  Nahrung, Energie, Wasser und Hygiene,
  • Sicherung dauerhafter Bevölkerungszahlen,
  • Erhaltung und Stärkung der Ressourcenbasis,
  • Neuorientierung von Technologie und Handhabung von Risiken
  • Verbindung von Umwelt und Wirtschaft in Entscheidungsprozessen (vgl. Hauff (Hg.) 1987, S. 52f).

Das primäre Anliegen einer so verstandenen nachhaltigen Entwicklung liegt in der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Klar strukturierte Ziele, so die Kritik von Minsch, liegen dem Bericht hingegen nicht zugrunde. Das Anliegen der Brundtland-Kommission bestand weniger in einer wissenschaftlichen Fundierung einer globalen Umwelt- und Entwicklungspolitik, sondern in der Mobilisierung und Kanalisierung in Richtung eines ökologisch nachhaltigen Wirtschaftens auf globaler Ebene.
      
Die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 brachte eine Fortsetzung und Vertiefung des im Brundtlandberichtes eingeschlagenen Kurses. Am Erdgipfel im Juni 1992 in Rio de Janeiro in Brasilien nahmen Regierungsvertreter aus 179 Ländern teil. Es erfolge eine Verabschiedung zweier Konventionen. Als Ziel wurde die Aufrechterhaltung der biologischen Vielfalt angestrebt; konkret wurde eine Reduzierung von Treibgasen beschlossen. Die Aufgabe der Konferenz bestand darin, Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung für das 21. Jahrhundert und die weitere Zukunft zu erarbeiten. Innerhalb der "Agenda 21" wird die These vertreten, daß Bevölkerung, Konsum und Technologie primär als Auslöser von Umweltproblemen zu verstehen sind. Es wird davon ausgegangen, daß Fortschritt nur mit Umweltschutz möglich ist. Im folgenden werden stichwortartig einige Forderungen und Ziele aufgezeigt:

  • Beachtung des Verursacherprinzips
  • Länderübergreifende Kooperation im Umweltbereich
  • Partizipation der betroffenen Bürger bei Umweltfragen             
  • Kampf gegen Armut
  • Ressourcenschutz
  • Intra- und Intertemporale Gerechtigkeit (vgl. Keating 1993, S viiif).

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, sind konkrete internationale Maßnahmen für alle umweltrelevanten Bereiche vorgestellt worden, die den Abbau der Probleme vorantreiben sollen. Im folgenden werden einige Forderungen aufgezeigt.

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