2.3 Zur rhetorisch-sprachpragmatischen Verwendung

Das Begriffswirrwar um die deutsche Übersetzung des Begriffes "Sustainable Development" ist eklatant. In Anlehnung an die Verwendung innerhalb der Forstwirtschaft präferiert Busch-Lüthy die Übersetzung  "Nachhaltige Entwicklung".

"Für "sustainability" ist im Deutschen zwingend "Nachhaltigkeit" zu setzen. Allen inhaltslosen und sinnwidrigen Mißbräuchen als alltagssprachliches Modewort zum Trotz ist Nachhaltigkeit in der Agrarkultur als erhaltende Nutzung der natürlichen Lebensgrundlagen inhaltlich eindeutig definiert und auch vielfältig praktiziert worden" (Busch-Lüthy 1992, S. 8).

Radermacher (1993) vertritt die Auffassung, daß auf die explizite Nennung der Bezeichnung "Entwicklung" verzichtet werden kann, da sie in der Definition der Nachhaltigkeit bereits enthalten ist. Hinterberger und Welfens (1993)  sowie Apel u.a. (1998) halten die Bezeichnung "zukunftsfähige Entwicklung" für angemessen, um die Verantwortung für zukünftige Generationen hervorheben. Auch Endres macht deutlich, daß "Sustainable Development" eine normative Bezeichnung darstellt, durch die ein konnotativer Zukunftsbezug ausgedrückt wird.
      Meadows u.a. schlagen unter Berücksichtigung der Zukunftsverantwortung vor, daß die angelsächsische Bezeichnung mit "Aufrechterhaltbarkeit" übersetzt werden sollte. Weitere Übertragungen von "Sustainable Development" liegen in den Formulierungen  "Durchhaltbarkeit", "Zukunftssicherheit", "Zukunftsverträglichkeit" (vgl. Kanatschig/Schachtner 1994, S. 263), "Langfristige Tragfähigkeit" (vgl. Simonis 1991) und "Beständige Entwicklung". "Dauerhaftigkeit" werden weiterhin im Verständnis einer auszuschließenden Selbstdestruktivität eines Entwicklungsprozesses verstanden (vgl. Kopfmüller 1993, S. 6).
      Einige Autoren merken kritisch an, daß durch die aufgeführten Bezeichnungen "Floskeln" und "Allerweltskategorien" formuliert werden, die inhaltsleer und beliebig bleiben können (vgl. Mai 1993, S. 97, Stahl 1992, S. 468). Die Verwendung der Begriffe könne sich innerhalb der umweltpolitischen Diskussion zu einer "inhaltsleeren Zauberformel" entwickeln (vgl. Dyllik/Brenzinger/Rufer 1992, S. 1). Kritik wird außerdem am breiten Themenspektrum geübt, das mit Nachhaltigkeitsüberlegungen in Verbindung gebracht wird. Neben ökologischen Fragen werden u.a. Verteilungsprobleme problematisiert, "nachhaltiges Wachstum", "nachhaltige Lebensweise" und "nachhaltige Industrialisierung" stellen nur wenige Facetten innerhalb der Diskussion dar (vgl. Stahl 1992, S. 468). 
      Pfriem (1992) bemängelt, daß die Idee der Nachhaltigkeit noch kein Konzept darstellt. Er befürchtet, daß der Begriff ebenso unbestimmt bleibt, wie der des "qualitativen Wachstums", der vor 20 Jahren die Debatte im wirtschaftspolitischen Bereich bestimmte, jedoch praktisch wenig bewirken konnte. Die Orientierung an einer Forderung hin zu einer nachhaltigen Entwicklung kann zu einer konsensstiftenden Leerformel verkommen, wenn sie nicht konkretisiert wird und Handlungsstrategien, Maßstäbe und Verfahrensregeln liefert, die eine Operationalisierung eines allgemeinen Nachhaltigkeitsprinzips erlaubt, das zugleich innerhalb der  politischen und wirtschaftlichen Praxis umgesetzt wird.
      Innerhalb der Nachhaltigkeitsdebatte herrscht ein breites Spektrum an Themenfeldern. Längst geht es nicht mehr nur um die Nutzung von Naturressourcen, sondern die ganze natürliche Lebensgemeinschaft bis hin zum gesamten Ökosystem gerät ins Blickfeld des Interesses. Aufgrund der beobachteten Wechselwirkungen und Vernetzungen umweltrelevanter Eingriffe in den Naturhaushalt wird die globale Dimensionen verstärkt ins Kalkül der Überlegungen einbezogen. Entsprechend "breit" angelegt wurde die Thematik auch innerhalb internationaler Konferenzen.


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