In
der ökologischen Ethik geht es wie in allen Bereichen der Ethik darum,
Normen aufzustellen und zu begründen, hier speziell im Hinblick auf
den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur.
Demzufolge soll auch die ökologische Ethik
einen Beitrag zur Krisenbewältigung leisten, wobei eine Aufgabe darin
besteht, die in ökologischen Diskussionen enthaltenen Normsetzungen,
Werthaltungen und Einstellungen deutlich zu machen und diskursfähig
zu gestalten.
Durch die ökologische Ethik kann das
ökologische Bewußtsein der Menschen angesprochen werden, um eine Sensibilität
für ökologische Probleme zu erzeugen. Dadurch wird versucht, zu einer
Verhaltensänderung des Menschen hinsichtlich eines besseren Verhaltens
zur natürlichen Umwelt hinzuwirken.
Pfriem (1990) ergänzt, daß auch
in der ökologischen Ethik keine normativen Setzungen vorgegeben werden
können. Vielmehr soll im ökologischen Diskurs ein gesellschaftlicher
Wettbewerb von Normen, Werten, Leitbildern und Zukunftsentwürfen in
Gang gesetzt werden.
Auf der Grundlage einer Übereinkunft hinsichtlich
der Notwendigkeit einer ökologischen Ethik verfolgen die Philosophen
verschiedene Ansätze, um ihre Inhalte zu begründen.
Das Modell der anthropozentrischen Umweltethik
sieht vor, daß allein dem Menschen ein Eigenwert zukommt
und nur Pflichten gegenüber anderen Menschen gerechtfertigt sind.
Die pathozentrische Umweltethik hingegen
gesteht allen leidensfähigen Lebewesen einen Eigenwert zu. Der
pathozentrische Ansatz wird auch von Birnbacher vertreten und findet
besondere Berücksichtigung bei der Beantwortung der Frage, ob Tierversuche
moralisch gerechtfertigt werden können oder nicht.
Daneben gibt es den biozentrischen Ansatz
, der allen Lebewesen einen Eigenwert zuschreibt, also auch niedere
Tiere und Pflanzen in den Bewertungsmaßstab einbezieht (vgl. Jonas 1984)
Die am weitesten gehende Position wird in der holistischen Umweltethik
vertreten (vgl. Meyer-Abich 1986), die auch dem Nichtlebendigen
einen (wenngleich reduzierten) Eigenwert zuschreibt.
Die Anerkennung dieser vom holistischen
Standpunkt postulierten Maxime würde zu einer Überforderung des Menschen
führen, zudem ließe sie sich kaum begründen und verallgemeinern. Gleiches
gilt auch für die biozentrische Position.
Zudem entsteht durch alle nicht anthropozentrischen
Begründungen der "ökologischen Ethik" das Problem, daß die
vom Menschen verursachten Umweltprobleme in der ethischen Betrachtung
ausgeklammert bleiben, obwohl gerade sie den Anstoß gegeben haben, sich
mit der ökologischen Ethik auseinanderzusetzen (vgl. Birnbacher 1991,
S. 279). Die Kritik von Peter Ulrich (1989) an dieser Position besteht
darin, daß das von Jonas postulierte "Eigenrecht der Natur"
(Jonas 1984, S. 29) bei genauerer Betrachtung sich kaum durchsetzen
wird.
Ulrich betont, daß es bei der Umweltproblematik
nicht um den Umgang mit der unberührten Natur, sondern um den menschlichen
Interessenskonflikt im Hinblick auf knappe oder bedrohte Umweltgüter
geht.