1.5.2 Ökologische Ethik

In der ökologischen Ethik geht es wie in allen Bereichen der Ethik darum, Normen aufzustellen und zu begründen, hier speziell im Hinblick auf den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur.
     Demzufolge soll auch die ökologische Ethik einen Beitrag zur Krisenbewältigung leisten, wobei eine Aufgabe darin besteht, die in ökologischen Diskussionen enthaltenen Normsetzungen, Werthaltungen und Einstellungen deutlich zu machen und diskursfähig zu gestalten.
      Durch die ökologische Ethik kann das ökologische Bewußtsein der Menschen angesprochen werden, um  eine Sensibilität für ökologische Probleme zu erzeugen. Dadurch wird versucht, zu einer Verhaltensänderung des Menschen hinsichtlich eines besseren Verhaltens zur natürlichen Umwelt hinzuwirken.
      Pfriem (1990) ergänzt, daß auch in der ökologischen Ethik keine normativen Setzungen vorgegeben werden können. Vielmehr soll im ökologischen Diskurs ein gesellschaftlicher Wettbewerb von Normen, Werten, Leitbildern und Zukunftsentwürfen in Gang gesetzt werden.
     Auf der Grundlage einer Übereinkunft hinsichtlich der Notwendigkeit einer ökologischen Ethik verfolgen die Philosophen verschiedene Ansätze, um ihre Inhalte zu begründen.
     Das Modell der anthropozentrischen Umweltethik sieht vor, daß allein dem Menschen ein Eigenwert zukommt und nur Pflichten gegenüber anderen Menschen gerechtfertigt sind.
     Die pathozentrische Umweltethik hingegen gesteht allen leidensfähigen Lebewesen einen Eigenwert zu.   Der pathozentrische Ansatz wird auch von Birnbacher vertreten und findet besondere Berücksichtigung bei der Beantwortung der Frage, ob Tierversuche moralisch gerechtfertigt werden können oder nicht.
     Daneben gibt es den biozentrischen Ansatz , der allen Lebewesen einen Eigenwert zuschreibt, also auch niedere Tiere und Pflanzen in den Bewertungsmaßstab einbezieht (vgl. Jonas 1984) Die am weitesten gehende Position wird in der holistischen Umweltethik vertreten (vgl. Meyer-Abich 1986), die auch dem Nichtlebendigen  einen (wenngleich reduzierten) Eigenwert zuschreibt.
     Die Anerkennung dieser vom holistischen Standpunkt postulierten Maxime würde zu einer Überforderung des Menschen führen, zudem ließe  sie sich kaum begründen und verallgemeinern. Gleiches gilt auch für die biozentrische Position.
     Zudem entsteht durch alle nicht anthropozentrischen Begründungen der "ökologischen Ethik" das Problem, daß die vom Menschen verursachten Umweltprobleme in der ethischen Betrachtung ausgeklammert bleiben, obwohl gerade sie den Anstoß gegeben haben, sich mit der ökologischen Ethik auseinanderzusetzen (vgl. Birnbacher 1991, S. 279). Die Kritik von Peter Ulrich (1989) an dieser Position besteht darin, daß das von Jonas postulierte "Eigenrecht der Natur" (Jonas 1984, S. 29) bei genauerer Betrachtung sich kaum durchsetzen wird.
     Ulrich betont, daß es bei der Umweltproblematik nicht um den Umgang mit der unberührten Natur, sondern um den menschlichen Interessenskonflikt im Hinblick auf knappe oder bedrohte Umweltgüter geht.


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