Das
Verhältnis zwischen Ethik und Pragmatik läßt sich als diejenige Aufgabe
formulieren, bei der sich Können und Sollen in der Praxis miteinander
vereinbaren lassen.
Während die Ethik ein höchstes Sollen
definiert, sucht die Pragmatik die angemessene Konkretion des moralischen
Prinzips oder der obersten praktischen Regel sicherzustellen. Einer
so bestimmten Pragmatik geht es darum, die Relevanz und die Anwendungsfähigkeit
des Prinzips auf Praxis - soweit möglich -zu garantieren. Die Ethik
sucht ein kultur- und situationsinvariant gültiges Kriterium oder Ziel.
Die Pragmatik versucht den Abstand von einem reinen Sollen zu einem
historisch bedingten Sollen zu überbrücken.
Insofern zieht sich die Ethik nicht
auf eine autonome Provinz zurück. Ebenso wenig stellt die Pragmatik
eine prinzipienlose Methode dar. Die Pragmatik übt im Wechselspiel zwischen
Ethik und historisch konkreter sittlicher Praxis eine Vermittlungsfunktion
aus. Im Sinne einer wechselseitigen Rückbeziehung ist die Ethik auf
eine Operationalisierung in eine Pragmatik und die Pragmatik auf die
Prinzipien einer Ethik angewiesen (vgl. Höffe 1975).