1.4.1  Ethik versus Pragmatik

Das Verhältnis zwischen Ethik und Pragmatik läßt sich als diejenige Aufgabe formulieren, bei der sich Können und Sollen in der Praxis miteinander vereinbaren lassen.
      Während die Ethik ein höchstes Sollen definiert, sucht die Pragmatik die angemessene Konkretion des moralischen Prinzips oder der obersten praktischen Regel sicherzustellen. Einer so bestimmten Pragmatik geht es darum, die Relevanz und die Anwendungsfähigkeit des Prinzips auf Praxis - soweit möglich -zu garantieren. Die Ethik sucht ein kultur- und situationsinvariant gültiges Kriterium oder Ziel. Die Pragmatik versucht den Abstand von einem reinen Sollen zu einem historisch bedingten Sollen zu überbrücken.
      Insofern zieht sich die Ethik nicht auf eine autonome Provinz zurück. Ebenso wenig stellt die Pragmatik eine prinzipienlose Methode dar. Die Pragmatik übt im Wechselspiel zwischen Ethik und historisch konkreter sittlicher Praxis eine Vermittlungsfunktion aus. Im Sinne einer wechselseitigen Rückbeziehung ist die Ethik auf eine Operationalisierung in eine Pragmatik und die Pragmatik auf die Prinzipien einer Ethik angewiesen (vgl. Höffe 1975).

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