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Kommunikation über Nachhaltigkeit als
Selbstzweck?
Nachhaltigkeit
als Thema der Unternehmenskommunikation hat ihre Vorläufer in der Sozialberichterstattung
der 1970er Jahre und in der ökologieorientierten Kommunikation, die
sich bis Mitte der 1990er Jahre entwickelt hatte.[136]
Damals hatte das gewachsene Umwelt- und Sozialbewusstsein dazu geführt,
dass die entsprechenden Probleme vermehrt im gesellschaftlichen Diskurs
aufgegriffen wurden. Unternehmen begannen sich erst spät und dann reaktiv
an der Umweltdiskussion zu beteiligen, nachdem bereits eine kritische
Bürgerbewegung entstanden war - als Reaktion auf die Katastrophen in
Unternehmen wie z.B. in Seveso 1976, in Bophal 1984 oder Basel-Schweizerhalle
1986. Daraufhin wendeten sich die Unternehmen vermehrt diesen, für sie
kritischen Teilöffentlichkeiten zu, und es wurden ihnen mehr und mehr
unternehmensrelevante Informationen zugänglich gemacht.
Ökologieorientierte
Kommunikation bedeutete für Unternehmen in der Entstehungsphase primär
"Krisenkommunikation", und dies prägt bis heute den Charakter der Umweltkommunikation.
Nach und nach konnten Unternehmen aber auch über die Erfolge ihrer aktiven
Umweltmaßnahmen berichten und es entstand das eigenständige Feld der
‚ökologischen Unternehmenskommunikation'. Während diese neuen Themen
für einige Unternehmen (besonders für die Chemiebranche) zum ‚Muss'
geworden waren, wollten sie andere Unternehmen lediglich aus Marketinggesichtspunkten
nutzen, um ihren Produkten einen ökologischen ‚Zusatznutzen' zu geben.[137]
Heute führen Unternehmen teils sogar
eigene Abteilungen, die sich mit sozialen und Umweltthemen beschäftigen.
Dies wird von Unternehmensseite oft als ‚Nachhaltigkeitskommunikation'
bezeichnet, was aber nicht heißt, dass damit den im vorhergehenden Kapitel
qualitativ definierten Kriterien von Nachhaltigkeitskommunikation auch
unbedingt entsprochen wird. Denn in vielen Fällen, die in diesem Kapitel
betrachtet werden, wird der Begriff Nachhaltigkeit bewusst zweideutig
und irreführend verwendet, praktisch als Selbstzweck. So entpuppen sich
die von Unternehmen gemachten Dialogangebote manchmal auch als Scheindialoge
und Hinhaltetaktik. Kleine Wohltaten beim Umweltschutz werden hochstilisiert
oder gezielt instrumentalisiert, um werbewirksam Akzente in der öffentlichen
Diskussion zu setzen oder von Kritik abzulenken. Auch die Unschärfe
des Nachhaltigkeits-Begriffs wissen manche Werbestrategen gezielt rhetorisch
zu nutzen und das Leitbild Sustainability mit ihnen genehmen Sinninhalten
zu füllen.
Ob aber hinter bloßen Öko-Aussagen
auch eine intensive Auseinandersetzung, d.h. ein nachhaltiger Prozess
steht, kann nicht allein dadurch gewährleistet werden, indem Nachhaltigkeit
an eine einzelne Abteilung ‚delegiert' wird. Deshalb müssen alle Kommunikationsangebote
zunächst genau überprüft werden, ob ein Unternehmen ‚Nachhaltigkeit'
praktisch als Argument der Unternehmenswerbung thematisiert (im Rahmen
der erfolgsorientierten, persuasiven PR) oder ob Nachhaltigkeit als
Leitbild für die kommunikativen Beziehungen zur Öffentlichkeit verankert
ist (im Sinne der beschriebenen prozeduralen Kriterien).
136 Vgl.
Clausen et al. (2001): S. 52.
137 Vgl.
Martin Lichtl: Ecotainment. Der neue Weg im Umweltmarketing.
Emotionale
Werbebotschaften, Sustainability, Cross Marketing, Wien
1999,
S. 77.