2  Wege zum nachhaltigen Unternehmen

Angesichts der Unmöglichkeit, einen ‚nachhaltigen' Zustand konkret zu definieren, kann auch von einem per se ‚nachhaltigen' Unternehmen nicht die Rede sein. Fest steht allein, dass "Unternehmen und Gesellschaft derzeit noch nicht nachhaltig sind".[35] Welche Maßnahmen können Firmen aber ergreifen, um zu einem nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen zu werden? Diese Frage zu beantworten, fällt um so schwerer, da es kaum Indikatoren gibt, die heute eine sichere Aussage über die Nachhaltigkeit einzelner Unternehmen von morgen zulassen.

"We do not know, for example, whether an additional four weeks of employee training, minus a dozen or so trees, plus a ton of profit, add up to more or less sustainable development."[36]

Trotzdem muss es das Ziel sein, aus der Kenntnis über das gegenwärtige und vergangene Handeln von Unternehmen Hinweise auf deren Zukunftsfähigkeit abzuleiten.
      Obwohl sich bis heute erst weniger als die Hälfte der Unternehmen mit dem Thema auf Geschäftsführungsebene beschäftigt haben[37], haben bereits einige Firmen bestimmte Maßnahmen ergriffen. Ob diese aber tatsächlich einer wie auch immer gearteten ‚Nachhaltigkeit' zuträglich sind, ist wiederum schwer zu bewerten, da man nicht weiß, ob die Maßnahmen weitreichend genug sind, oder ob sie nicht möglicherweise andere Nachhaltigkeitsziele neutralisieren. Dies ist an folgendem Beispiel eines Automobilherstellers zu erkennen:

"Ist ein Unternehmen nachhaltig, das ein 3-Liter-Auto baut, das aber kaum jemand kauft, und gleichzeitig in anderen Projektbereichen den Ausbau von PS-starken Automobilen und Varianten vorantreibt, mit denen es entscheidend seine ökonomische Wettbewerbsfähigkeit und damit Arbeitsplätze erhält?"[38]

Der Umweltschutzbeitrag des 3-Liter-Autos wird möglicherweise durch den hohen Spritverbrauch einer Luxuslimousine überkompensiert. Das Luxusauto trägt aber als wettbewerbsfähiges Produkt zu wirtschaftlichem Wohlstand bei. Der Zielbeitrag zur Nachhaltigkeit ist also nicht eindeutig. Dilemmata wie dieses zeigen uns, dass auf der operativ-materiellen Ebene unmöglich definiert werden kann, wann ein Unternehmen alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen erfüllt.
      Einfacher machen es sich dagegen viele konservative Unternehmens- und Verbandsvertreter, die unter Nachhaltigkeit meist eine optimale Wirtschaftlichkeit der Unternehmen verstehen. Umweltschutzanforderungen müssen sich nach ihrer Ansicht lediglich am ‚wirtschaftlich Machbaren' orientieren.[39]


35 Ignacio Campino: "Herausfordernd und lohnend. Die Deutsche Telekom
     auf dem Weg zur Nachhaltigkeit", in: Ökologisches Wirtschaften 1
     (2001), S. 15f.
36 Simon Zadek: The Civil Corporation. The New Economy of Corporate
     Citizenship, London 2001, S. 8.
37 Jens Clausen et al.: Nachhaltigkeitsberichterstattung. Praxis glaub-
     würdiger Kommunikation für zukunftsfähige Unternehmen. Initiativen
     zum Umweltschutz 39, Berlin 2002, S. 19.
38 Schneidewind (2002): S. 23.
39 Vgl. Thomas Loew: "Unternehmen auf dem Weg zur Nachhaltigkeit",
      in: Ökologisches Wirtschaften, 1(2001), S. 10f.

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