1.3.2.
Kommunikation zwischen Teilsystemen
Der Stellenwert
der Kommunikation für Nachhaltigkeit wird auch aus systemtheoretischer
Perspektive deutlich. Nachhaltigkeit ist eine Herausforderung sowohl
für die Gesellschaft als Ganzes, als auch für ihre Teilsysteme (Wirtschaft,
Politik, Wissenschaft, usw.). Allerdings bringt die funktionale Differenzierung
moderner Gesellschaften eine immer stärkere Arbeitsteilung und Spezialisierung
mit sich, die ermöglicht, dass die gesellschaftlichen Teilsysteme immer
effizienter arbeiten können. Sie reduzieren Informationen und Probleme
auf die dazu notwendige Perspektive und bearbeiten sie selektiv. Die
jeweils eigenen Kodes der Teilsysteme erschweren die Verständigung mit
anderen Teilsystemen.
Ein
Querschnittsthema und dreidimensionales Problem, wie das der Nachhaltigkeit,
muss aber in mehreren Teilsystemen gemeinsam bearbeitet werden, sonst
besteht die Gefahr, dass jedes Teilsystem partielle Lösungen erarbeitet,
die unvernetzt und isoliert voneinander bleiben. Ein Mangel an Abstimmung
und Kommunikation könnte zur Teiloptimierung führen.[30]
Um das notwendige Problem- und Handlungswissen zu generieren, ist Kommunikation
unverzichtbar. "Eine notwendige Bedingung für kollektive Such- und Lernprozesse
ist Kommunikation. Ohne Kommunikation gibt es keine gesellschaftliche
Nachhaltigkeitsorientierung."[31]
Schneidewind
plädiert deshalb dafür, Nachhaltigkeit als einen Prozess zu verstehen,
bei dem zunächst Kommunikationsbarrieren zwischen den Teilsystemen abgebaut
werden müssen. Auch ökologische, soziale und ökonomische Nebenwirkungen
müssen ins Bewusstsein gerückt werden.[32] Ein solcher
Lernprozess benötigt Reflexivität und auch Partizipation, um die Kommunikation
zwischen den betroffenen Teilsystemen in Gang zu bringen, sowie Macht
und Konfliktausgleich durch zivilgesellschaftliche Kontrolle. Dabei
ist der "Einfluss gesellschaftlicher Gruppen für Richtung und Inhalt
einer nachhaltigen Entwicklung von entscheidender Bedeutung".[33]
Zusammenfassend
bleibt zu unterstreichen, dass die vernetzte und dialogische Herangehensweise
weit mehr bedeutet, als lediglich Nachhaltigkeit zum Inhalt von
Kommunikation zu machen. Sie stellt hohe Anforderungen an den Kommunikationsprozess
selbst. Mit Lass und Reusswig lässt sich sagen: "Kommunikation über
Nachhaltigkeit muss selbst nachhaltige Kommunikation sein".[34]
30
Vgl. Uwe Schneidewind: "Zukunftsfähige Unternehmen
- ein
Bezugsrahmen",
in: Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND)/UnternehmensGrün
(Hg.): Zukunftsfähige Untenehmen: Wege
zur
nachhaltigen Wirtschaftsweise von Unternehmen, München 2002,
S.
26. - Gemäß dem systemtheoretischen
Verständnis von Niklas
Luhmann
sind Gesellschaften soziale Systeme, die aus Kommunikation
bestehen.
Zur systemtheoretischen Fundierung dieses Erklärungs-
ansatzes
siehe: Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriß einer
allgemeinen
Theorie, Frankfurt/Main 1984.
31 Wiebke Lass/Fritz
Reusswig: "Für eine Politik der differentiellen
Kommunikation
- Nachhaltige Entwicklung als Problem gesell-
schaftlicher
Kommunikationsprozesse und -verhältnisse", in: Andreas
Fischer/Gabriela
Hahn (Hg.): Vom schwierigen Vergnügen einer
Kommunikation
über die Idee der Nachhaltigkeit; Frankfurt/Main 2001,
S.
152.
32 Vgl. Schneidewind
(2002): S. 24 - 27.
33 Werner Wild:
"Die Bedeutung der Nachhaltigkeitsberichterstattung",
Vortrag
gehalten auf der Tagung: Perspektiven der Nachhaltigkeits-
berichterstattung.
Inhalte, Formen, Nutzen. Veranstaltet von: Institut für
ökologische
Wirtschaftsforschung (IÖW), Institut für Markt-Umwelt-
Gesellschaft
(imug), Öko-Institut, Institut für Energie- und Umwelt-
forschung
Heidelberg (ifeu) am 4.12.2001 in Düsseldorf.
34 Lass/Reusswig
(2001): S. 151f.